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[Rezension] Ich nannte ihn Krawatte – Milena Michiko Flasar

Titel: Ich nannte ihn Krawatte
Autor: Milena Michiko Flasar
Seitenzahl: 144
Verlag: Wagenbach

Worum gehts?
Ein junger Mann verlässt sein Zimmer, in dem er offenbar lange Zeit eingeschlossen
war, tastet sich durch eine fremde Welt. Eine Bank im Park wird
ihm Zuflucht und Behausung, dort öffnet er die Augen, beginnt zu sprechen
und teilt mit einem wildfremden Menschen seine Erinnerungen. Der andere
ist viele Jahre älter, ein im Büro angestellter Salaryman wie Tausende. Er erzählt
seinerseits, über Tage und Wochen hinweg, Szenen eines Lebens voller
Furcht und Ohnmacht, Hoffnung und Glück. Beide sind Außenseiter, die dem
Leistungsdruck nicht standhalten, die allein in der Verweigerung aktiv werden.
Meine Meinung:
Dieses wunderbare Buch war eine Empfehlung, wo michschon der Klappentext angesprochen hat. Ein Buch, dass uns vor Augen führt was am Rand der Gesellschaft passieren kann, bei den Menschen, an denen wir sonst nur achtlos vorbei laufen.
Taguchi ist ein Einzelgänger, das war er schon immer, immer hat er versucht sich aus allem raus zuhalten. Niemals auffallen, und somit nicht in den Fokus rücken, nach dieser Art lebte er sehr lange. Dies führt dazu, dass Taguchi an einen Punkt kommt, in dem er das Zimmer nicht verlassen kann. Die Welt draußen ist zu viel für ihn, er kehrt ihr den Rücken und lebt als Einsiedler unter tausenden Menschen. Nach fast 2 Jahren wagt er jedoch den Schritt hinaus, und findet eine Bank auf der er sitzt und nachdenkt.
Eines Tages setzt sich ein Geschaftmann gegenüber, liest Zeitung und isst sein Mittagessen. Taguchi nennt ihn „Krawatte“, wegen seiner auffälligen rotgrauen Krawatte. Durch Blicke, dennTaguchi hat schon sehr lange nicht mehr geredet, finden sie zueinander und ins Gespräch. Man erfährt, was Krawatte dau gebracht hat auf dieser Bank zu landen, aber auch Taguchis Geschichte ist spannend. Beide offenbaren sich dem Anderen und es entsteht, unter diesen beiden Außenseitern, eine Freundschaft, die man so nicht erwartet hätte, die Beiden selbst am allerwenigstens.
Die Geschichten die sie sich erzählen sind ergreifend und berühren mich als Leser sehr. Es wird klar, wie es passieren kann, dass man sich fernab der Gesellschaft wieder findet und nicht weis wohin mit sich. Dieses Buch schafft es, dass man aufblickt und hinschaut, zu diesen Menschen die still mit sich selber reden und denen wir sonst keine Beachtung schenken, dabei sind doch auch ihre Leben und Geschichten wertvoll und interessant.
Flasars Schreibstil ist bemerkenswert, fast ohne direkte Rede, im ständigen FLießtext und sehr kurzen Kapitel, schafft sie es uns an dieses Buch zu fesseln und mehr erfahren zu wollen, über diese beiden gegensätzlichen Protagonisten. Mein einziger Kritikpunkt ist die Länge, ich hätte mir mehr Tiefe und Ausschweifungen gewünscht, vor allem bei den Rückblicken der beiden Männern.
Fazit:
Ein wundervolles Buch, dass uns vor Augen führt, wie unsere Gesellschaft teilweise funktioniert und Randgruppen schafft. Es ist ein Standbild der Menschheit, fass uns wachrütteln sollte, die Augen nicht zu verschließen sondern auf Menschen auch mal zuzugehen. Mit einem tollem Schreibstil und einer schönen Idee hat Milena Michiko Flasar hier ein kleines, kuzes Meisterwerk geschaffen.





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1 Comment

  • Reply Jasi Ich

    Huhu liebe Sandra ♥

    Ich habe das Buch dieses Jahr in der Schule gelesen und es hat mir unglaublich gut gefallen. Soo eine schöne & besondere Geschichte. (: Es gibt nicht nur einen guten Einblick in die Arbeitsmoral in Japan, sondern auch wie es ist wenn man mit dem ständigen Druck nicht fertig wird. Außerdem finde ich es schön, dass es immer die Möglichkeit neu anzufangen. 🙂

    Eine tolle Rezension zu einem wundervollen Roman! ♥
    Alles Liebe,
    Jasi

    22. Juni 2016 at 9:09
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