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[Filmkritik] „Mortal Engines: Krieg der Städte“ Was ist dran?

Copyright by Julia (www.thebookdynasty.de)

 

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Seit dem 13.Dezember 2018 läuft der neue Peter Jackson-Film in unseren Kinos: „Mortal Engines. Krieg der Städte“. Das, auf einem Buch von Philip Reeves basierende, Leinwand-Epos hat am ersten Wochenende nicht die erhofften Einspiel-Ergebnisse gebracht *1. Doch was ist dran am Film? Ich habe ihn gesehen und teile meinen Eindruck mit euch.

Gleich vorab, ich habe das Buch, welches als Grundlage dient, bisher nicht gelesen. Falls ihr daran interessiert seid, wie sich der Film im Vergleich zum Buch geschlagen hat, dann schaut unbedingt bei Julia von www.thebookdynasty.de vorbei. Falls es euch jedoch so wie mir ging, und ihr wissen wollt, wovon „Mortal Engines: Krieg der Städte“ überhaupt handelt, dann folgt jetzt eine kurze Beschreibung:

 

Worum geht’s?

60 Minuten. Mehr war nicht nötig um die Zivilisation, wie wir sie kennen, zu zerstören. Mit Hilfe einer Waffe von unbekannten Ausmaß befördert sich die Menschheit am Beginn des 3.Jahrhunderts ins Chaos. 1000 Jahre danach beginnt unsere Geschichte, mit fahrenden Raubstädten, Piraten und Abenteurern. Auf eine der kleineren fahrenden Städte befindet sich Hester, sie sinnt auf Rache und steht kurz davor Thaddeus Valentine, den Obersten Historiker der fahrenden Stadt London, zu ermorden. Doch in letzter Sekunde wird dieser gerettet und damit beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und eine spektakuläre Flucht.

 

Fahrende Städte und Old-Tech

Die Leinwand blendet von schwarz auf und wir sehen ein riesiges fahrendes London auf einem Kettenlaufwerk umgeben von Dampf und der St. Paul’s Cathedral obenauf. Ringsum nur flache, baumlose, karge Landschaft, und direkt vor Ihnen die kleinen Städte die sie jagen. Die Jagd selbst ist hitzig, rasant und am Ende erfolgreich, zumindest für London. Ein bombastischer Auftakt in Sachen Bild und Effekten. Das Konzept hat mich seit dem ersten Trailer überzeugt, Technik in seiner einfachsten Form, das erinnert den Zuschauer ganz stark an Steampunk und verzaubert dabei durch seinen Charme, dass unsere heutige Technik als „Old-Tech“ ein wahres Heiligtum darstellt. So ist ein alter Toaster eine echte Rarität und wird im Museum ausgestellt, mit all dem anderen „Schrott“ alias „Old-Tech“. Als Zuschauer schmunzelt man natürlich über die „alten Gottheiten“ und über das Erstaunen und die Bewunderung unserer Alltagsgegenstände. Hier haben die Produzenten auf jeden Fall Sinn für Humor bewiesen.

Doch neben „Old-Tech“ haben mich auch die fahrenden Städte an die Kinoleinwand gebannt. Vor allem das imposante London, mit seinen vielen Etagen und Menschen, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Man möchte eigentlich selbst auf diesem Koloss spazieren gehen und sich all die Besonderheiten anzuschauen. Wie die Maschinen arbeiten und diese Tonnen an Metall vorwärtsbringen und dabei, noch ganz nebenbei, andere Städte einverleiben um die mangelnden Ressourcen aufzufüllen. Peter Jackson hat hier ganze Arbeit geleistet und mittels CGI ein faszinierendes Bild gezaubert, welches, wie schon bei Herr der Ringe, den Drang weckt eintauchen zu wollen in diese Welt. Steampunk auf der großen Leinwand, das hatten wir in dieser Größenordnung bisher noch nicht.

 

Rebellion und Helden-Epos

Wie in allen großen Heldengeschichten, gibt es auch in dieser zwei Seiten. Da wären zunächst die Traktionisten, sie sehen in der Traktionsstadt die Zukunft und verteidigen diese, zur Not auch mit Gewalt. Und dann ist da noch eine Rebellion der sogenannten Anti-Traktionisten, welche der Auffassung sind, dass die Bevölkerung der Welt sich wieder an festen Plätzen ansiedeln sollte. Sie sehen in den Traktionsstädten nichts Positives, sondern viel mehr die Verkörperung von Gier und Macht. Zu Beginn des Films hält sich unsere Heldin Hester Shaw auf keine der beiden Seiten auf, sie will nur auf Rache. Doch je mehr sich die Handlungsstränge verzweigen und fortfahren, desto mehr wird sie von den Anti-Traktionisten, der Rebellion, eingenommen (Star Wars lässt grüßen). Immer wieder hatte ich während des Films den Gedanken: „Na das kenn ich“. Ein Pilot der mit einem verschmitzten Lächeln nicht nur die Heldin überzeugt, ein finaler Kampf am Ende, zwischen Traktionisten und Anti-Traktionisten, die Zerstörung der jeweiligen Städte steht kurz bevor, und am Ende kann nur ein kleines Ding dafür sorgen, dass diese Vernichtung von Tausenden von Leben verhindert wird. „Mortal Engines: Krieg der Städte“ ist eben ein klassisches Helden-Epos mit all seinen Elementen, inklusive des Helden, in Form von Hester Shaw, der eigentlich keiner sein möchte, aber letztendlich dazu gemacht wird. Es ist natürlich nichts Verwerfliches daran, sich an bekannten klassischen Erzählstrukturen und Filmen zu bedienen, dennoch fehlte mir, nachdem Verlassen des Kinosaals irgendwas. Zu viele Elemente im Film wirkten abgewandelt und neu verpackt. An dieser Stelle noch einmal der Hinweis, ich habe die Buchvorlage noch nicht gelesen, und kann daher nicht sagen, ob eventuell erzählerische Elemente abgewandelt wurden oder Erzählstränge fehlten, die womöglich mein Eindruck verändert hätten.

 

Neue Gesichter

Trotz der Millionen Dollar Produktionskosten und den hohen Maßstäben die an den Film gesetzt wurden, dürfte den meisten Zuschauer die Schauspieler vollkommen unbekannt sein. Das wirkt sich fast gar nicht auf die schauspielerische Leistung von Hera Hilmar aus, als vom Leben gezeichnete Waise, überzeugt sie mich von der ersten Minute an. Ganz anders sieht es da mit Robert Sheehan aus, welcher den historischen Abenteuerpiloten Tom darstellt. Seine überdrehte und auf Old-Tech fixierte Art ist am Anfang noch ganz interessant, doch leider wirkte er auf mich irgendwann etwas fad, und teilweise schien er zum bedeutungslosen Sidekick der Heldin zu werden. Auch bei der aufkeimenden Lovestory zwischen Hester und Tom konnte er mich nicht so richtig überzeugen. Zum Glück, vor allem für die kommenden Bücher und Filme, wandelt sich sein unscheinbares Dasein am Ende des Films und endlich kann er zumindest mit ein paar Fähigkeiten überzeugen.

Dennoch war der für mich wirklich interessante Charakter eine Art Zombie: der Lazarus-Auftragskiller Shrike. Wirkt er zu Beginn noch wie eine bedingungslose Kampfmaschine, so entwickelt er immer mehr Herz und öffnet damit dem Kinozuschauer die Augen für die grausamen Taten, die in der alten Welt passiert sind. Zu meinem Unglück hatte Shrike nicht genügend Screentime, hier hätte ich mir mehr Input gewünscht.

 

Lohnt sich der Gang ins Kino?

 

Ja! Trotz der kleinen Schwächen bleibt letztendlich ein spannendes Wordbuilding mit perfekten Einflüssen aus dem Steampunk, eine interessante Geschichte und mit tollen Effekten und imposanten Bildern. Trotz den Anlehnungen an bekannte Helden-Epen der Kinoleinwand der letzten Jahre fühlte ich mich unterhalten und bleibe dran an der „Mortal Engines“-Reihe. Die Hoffnung auf eine filmische Fortsetzung ist vermutlich verschwindend gering, dennoch lohnt sich ein Griff zur Buchreihe, welche komplett im Fischer Verlag verlegt wird, um zu erfahren, welche weiteren Abenteuer auf Hester und Tom warten.

 

Eure Sandra

 

Rezension zum Buch „Mortal Engines – Krieg der Städte“ bei The Bookdynasty

 

 

*1: http://www.filmstarts.de/nachrichten/18522552.html?page=6

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2 Comments

  • Reply Ivy

    Liebe Sandra,

    eine wirklich tolle Kritik, die Lust auf mehr macht. Ich muss gestehen, das ich bis vor kurzem, bis all die Fotos auf Instagram & Co. plötzlich aufploppten, noch nie etwas von dem Film, geschweige denn von dem Buch gehört hatte. Allerdings klingt es echt super spannend, auch wenn ich – das Buch betreffend – bisher schon viele gespaltene Meinungen gehört habe. Die einen mochten es, andere wiederum gar nicht aber nunja, so ist es ja eigentlich immer 🙂 ich denke ich werde mir den Film auch anschauen, sobald er auf DVD raus ist bzw. sobald er online irgendwo verfügbar ist. Ins Kino werde ich es wohl nicht mehr schaffen.

    Liebste Grüße
    Ivy

    19. Dezember 2018 at 13:35
  • Reply Stephie

    Hallo Sandra,

    ich möchte mir den Film ebenfalls noch ansehen und bin froh, dass ich bisher überwiegend Positives darüber gelesen habe. Dein letzter Satz ließ mich allerdings aufhorchen und nachdem ich nun einen Blick auf das box office geworfen habe, weiß ich, was du meinst. Ich hatte bisher noch nicht gehört, dass der Film an den Kinokassen so ein schlimmer Flop war. Wirklich schade, aber als Bücherfan ist man es ja inzwischen gewohnt, dass in der Regel nur die ersten Teile verfilmt werden bzw. es unglücklicherweise nicht zu einer Fortsetzung kommt. Ich kenne inzwischen jedenfalls mehr erste Teile als abgeschlossene Reihen, leider. Dennoch bin ich gespannt auf den Film und zur Not kann ich die Geschichte ja in Buchform weiter verfolgen.

    Viele Grüße und frohe Weihnachten

    26. Dezember 2018 at 0:17
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