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[Bloggequatsche] Vom Moment der Freude und des Versagens

Manchmal liegen zwei Gefühlswelten ganz nah beinander, ich bin mir sicher ihr kennt das. Man freut sich über eine gute Note in einer Klausur, und will der besten Freundin/dem besten Freund davon erzählen, nur bemerkt man schon anhand des Gesichtsausdruckes, dass es bei ihr/ihm nicht ganz so gut lief. Man steckt also die eigene Freude etwas nach hinten und versucht zu trösten. Doch viel schlimmer wird das Leben zwischen den Gefühlswelten, wenn man selber schwankt zwischen Freude und Versagen.

Immer wieder gibt es Momente im Alltag, in denen wir in zwei Gefühlswelten festhängen. Mir ging es heute Morgen so, nachdem ich mich entschieden hatte, das allererste Mal in meinem kulturwissenschaftlichen Studium eine Prüfung zu schieben. Seit ungefähr zwei Wochen hatte ich über das Abmelden von der Prüfung nachgedacht, aber immer wieder kamen mir Zweifel an dieser Entscheidung und diesen beruhten vor allem auf der Außenwirkung. Ich war mir indes sicher, dass ich mit dem Thema nicht schnell genug warm werden würde und somit letztendlich die mündliche Prüfung nicht zu meiner Zufriedenheit bestehen würde. Dieser Punkt war klar, doch mich beschlich immer wieder das Gefühl des Versagens, welches ich nach außen vermittle, wenn ich diese Prüfung nicht machen würde. Wie würden die Menschen in meinem Umfeld auf diese Nachricht reagieren? Was würden sie denken oder sagen? Wären sie von mir enttäuscht? 

Meine Gedanken haben sich immer wieder im Kreis gedreht und wer mich in den letzten zwei Wochen gesehen hat, der hat vielleicht gemerkt, dass mich etwas beschäftigt hat. Aber wieso belastet uns die Außenwirkung so sehr? Wieso kann es einen Menschen zerfressen, wie er mit seinen Entscheidungen auf andere Menschen wirkt? Mit mir selbst bin ich mir einig, die Entscheidung war gut durchdacht und ich fühle mich jetzt, ungefähr 3 Stunden nach der Abmeldung, wohl mit der Entscheidung und kann entspannt in das nächste Semester starten. Was also hat mich dazu bewegt solange mit der Entscheidung zu warten und mich so sehr davon beirren zulassen, wie es wirkt? 

Ich kann die Frage nicht zu hundertprozentig beantworten, ich bin kein Experte, aber ich glaube, es liegt daran, dass wir von der Gesellschaft immer bewertet werden. Und wir haben, auch wenn wir das eigentlich nicht wollen, das Bedürfnis, dass diese Bewertung gut ausfällt. Dabei geht es nicht nur um Entscheidungen, welche die Zukunft betreffen, sondern auch leider um Äußerlichkeiten. Und schon fallen einem direkt x-beliebige Beispiele ein, in denen ein Kommentar zu einem selbst, oder zu einer anderen Person, gemacht wurden, die eben eine Bewertung darstellen. 

„Wieso hat sie sich bitte die Haare so gefärbt?“

„Boar, da hat aber jemand zugenommen über Weihnachten.“

„Was willst du mit diesem Studium mal später anfangen?“

Ich könnte jetzt behaupten, dass mich solche Kommentare kalt lassen und ich immer geschickt kontere, aber das tun sie nicht. Zwar kann ich darauf eine nette Antwort geben, aber diese Bemerkungen lassen mich nicht unberührt. Und vielleicht gibt es da draußen wirklich Menschen, denen es vollkommen egal ist, aber ich bin dafür nicht stark genug. Und genau solche Bewertungen und Anmerkungen haben mich solange daran gehindert, diesen kleinen Aufschub zu fordern. Wer will sich auch Sätze wie folgt anhören:

„Ach, wird wohl doch alles zu viel was?“

„Du musst doch nicht studieren, du hast doch einen Job.“

„Was willst du eigentlich mit dem Master?“

Natürlich kann es noch passieren, dass genau diese Kommentare kommen, aber ich hoffe einfach, dass ich damit umgehen kann und sie einfach runterschlucke und mich weiterhin bestärkt darin fühle, das richtige getan zu haben. 

Im Übrigen gab es bereits positives Feedback, was mich wirklich glücklich stimmt und zeigt, wie unterschiedlich eine solche Entscheidung aufgenommen werden kann. Dennoch machen mich diese positiven Bekundungen glücklich, denn sie zeigen mir, dass man nicht das „Versagen“ sieht, sondern viel mehr die richtige Entscheidung und das Gefühl der „Freude“, diese Last nicht mehr zutragen und somit gestärkt zu sein. Daher appelliere ich an alle, die vielleicht in Zukunft mit sich hadern eine Entscheidung zu treffen, und bei dieser Entscheidung womöglich zu sehr darauf zu achten, was andere dazu sagen werden: blendet sie aus! Es geht um euch, es geht darum, dass ihr damit glücklich seid. Und ich weiß selber wie schwer es fällt das zu tun, aber in Zukunft werde ich mehr darauf achten. Du findest ein Master of Arts sinnlos? Mir egal, ich studiere gerne etwas was mich glücklich macht, statt das zu studieren, was „praktisch“ ist und mich nicht interessiert.

Und nun fehlt mir ein passender Schlusssatz, der irgendwie nochmal zeigt wie sehr mir ein Stein vom Herzen gefallen ist, als ich die Entscheidung getroffen habe, wie sehr ich zwischen den Gefühlswelten hing, als ich es noch keinem erzählt habe und wie unheimlich froh es mich macht zu hören, dass sowohl mein Partner, als auch Freunde mich darin bestärken, dass ich richtig gehandelt habe. Vielleicht reicht ja auch ein einfacher Satz: Macht euch selber glücklich! 

Eure Sandra

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3 Comments

  • Reply Nadine

    Ein schöner Beitrag!
    Ich versuche auch immer Worte von anderen nicht zu nah an mich zu lassen, was mir aber in den wenigsten Fällen gelinkt.
    Ich finde es schön, dass du das studierst, was dir glücklich macht, und nicht das, was andere als praktisch ansehen. Ich studiere Germanistik und Erziehungswissenschaft und auch das wird oft kritisch gebäugt. Selbst wenn ich dann sage, dass ich eventuell den Lehramt Master daran anschließe, stöhnen die Leute oft auf. Oft muss ich mir dann auch anhören, ich würde ja im Studium nichts machen und nur „chillen“, dabei muss ich wöchentlich oft 100 Seiten lesen und habe noch zwei Nebenjobs.. Aber genug dazu. Ich finde einfach, Leute sollten mehr bei ihrer eigenen Haustür kehren.
    Viel Erfolg bei allem und lass dich nicht unter kriegen:)

    14. Januar 2019 at 20:23
    • Reply Sandra

      Oh Wow! Das klingt nach viel Arbeit! Respekt, dass du das alles so stemmst, zwei Nebenjobs und ein Studium sind echt viel! Lass dich von den anderen nicht runterziehen, meistens haben die Menschen die sowas sagen keine Ahnung was man tatsächlich den ganzen Tag tut und was hinter so einem Studium steckt. Ich wünsche dir viel Erfolg für den Master, du packst das ;)!
      LG Sandra

      15. Januar 2019 at 10:18
  • Reply Ivy

    Liebe Sandra,

    ein wirklich toller Beitrag über ein Thema, dass uns ein Stück weg wohl alle beschäftigt. Ich muss sagen, dass ich mittlerweile mit solchen Aussagen gut umgehen kann. Meist ignoriere ich solche „dummen Sprüche“ (so nenne ich sie einfach mal, denn eigentlich sind sie auch genau das) einfach. Manchmal ärgere ich mich darüber, aus welchem Grund sich jemand überhaupt das Recht herausnimmt, entsprechend zu reagieren, Behauptungen aufzustellen etc. pp. obwohl es ihn überhaupt nichts angeht, aber an mich ran lasse ich solche Sachen schon länger nicht mehr. Natürlich hat jeder Mal ein Tief, zu 100% gelingt es mir nicht immer, aber ich arbeite wirklich tagtäglich daran.

    Mir ging es auch schon mal ähnlich, zum Beispiel habe ich mein Studium komplett abgebrochen. Zunächst habe ich auch mit mir gehadert, habe mich immer wieder gefragt, ob ich es nicht doch durchziehen soll, ob die Leute glauben, ich hätte zu wenig Durchhaltevermögen, wenn ich so schnell „aufgebe“ doch im Endeffekt geht es darum, dass man selbst das tut, was einen glücklich stimmt. Niemand lebt das Leben für mich; ich lebe mein Leben und muss mit mir, meinen Entscheidungen und dem Leben, das ich mir ausgesucht habe, klar kommen. Wieso also was studieren, was einem überhaupt nicht liegt, was einen vielleicht sogar noch krank macht (was bei mir teilweise tatsächlich der Fall war) nur weil man Wert darauf legt, was andere denken?

    Ich bin glücklich mit meiner Entscheidung und habe es auch heute, viele viele Jahre nach meinem Abbruch, keinen einzigen Tag bereut, ganz im Gegenteil. Hätte ich mich durchgequält, wäre ich heute wahrscheinlich totunglücklich, ohne einen richtigen Abschluss, da ich mir sicher bin, dass ich einige Teile des Studiums (Mathe & Statistik) im Leben nicht geschafft hätte.

    Danke für diesen Beitrag!

    Liebste Grüße
    Ivy

    15. Januar 2019 at 14:46
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