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[Literarisches Leipzig] Lene Voigt und ihre Werke

Heute startet eine die neue Beitragsreihe „Literarisches Leipzig“ auf dem Blog. Diese Beitragsreihe soll sich, wie der Name schon erahnen lässt, den verschiedenen literarischen Elementen der Stadt Leipzig widmen, egal ob Orte, Momente oder Personen. Ich freue mich auf diese, hoffentlich lange andauernde, Reise. Im heutigen Beitrag soll eine Frau im Mittelpunkt stehen, welche die meisten Leipziger vermutlich nicht mal zuordnen können: Lene Voigt.

Wer ist eigentlich Lene Voigt?

Die meisten Leipziger sollte der Lene-Voigt-Park bekannt sein, doch wie bei so vielen anderen Namensgebern von Naherholungsstätten, Straßen und Plätzen weiß man eigentlich gar nicht, wer die Person war und wieso sie es verdient, dass ein ganzer Park nach ihr benannt wird. Daher folgen ein paar Fakten zur Namensgebern Lene Voigt. 

Sie wird am 2.Mai 1891 in Leipzig, als Tochter eines Schriftsetzers und einer Hausfrau geboren. Nach Ende ihrer Schulzeit absolvierte sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Diesem Beruf blieb sie jedoch nicht immer treu und arbeitete unter anderem beim B.G. Teubner Verlag und Barsortiment Leipzig als Verlagskontoristin.

Im Jahr 1914 heiratet sie den Musiker Friedrich Otto Voigt, mit ihm zusammen bekommt sie im Jahr 1919 ihr einziges Kind: Alfred Voigt. Bereits im darauf folgenden Jahr lässt sie sich von ihrem Mann scheiden und verliert im Jahr 1924 auch noch ihren Sohn Alfred. In den darauffolgenden Jahren zieht es sie aus ihrer Heimat weg, zunächst in den Norden mit Hamburg, Flensburg, Bremen, Lübeck, um nach einem Aufenthalt in den Jahren 1938-1940 in Berlin nach Leipzig zurückzukehren. Diese Umzüge hatten jedoch einen krankheitsbedingten Hintergrund, denn Lene Voigt litt an Psychosen und besuchte 1936 erstmals eine Nervenheilanstalt in Schleswig. Mit ihrer Rückkehr im Jahr 1940 in ihre Heimatstadt wurde sie in der Nervenklink der Universität Leipzig behandelt.

Die Kriegsjahre zogen Lene Voigt in die Unbekanntheit und fast vollkommene Anonymität. 1946 wurde bei ihr eine Schizophrenie diagnostiziert und sie wurde erneut in die Nervenklinik der Leipziger Universität behandelt und anschließend in das Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie in Leipzig-Dösen eingeliefert. Dies sollte auch ihre letzte Adresse sein, denn nachdem die Symptome abschwächten arbeitete sie für das Bezirkskrankenhaus und verstarb schließlich im Jahr 1962.

Bildrechte liegen bei der Lene-Voigt-Gesellschaft e.V.

Lene Voigt und ihre sächsische Mundart

Nach diesem kurzem Abriss des Lebens der Lene Voigt kommen wir nun zu ihren Werken. Sie war nämlich nicht nur Schriftstellerin und schrieb unter anderem für das Blatt „Leipziger Hausfrau“ und veröffentlichte mehrere Werke unter anderem „Mally der Familienschreck“, in dem es um die humoristischen Entwicklung der jungen Mally in einem Umfeld voller spießerischer Verwandten geht. Doch besonders hervorzuheben ist Lene Voigts sächsische Mundart(-dichtung).

Ihre Werke waren witzig und bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten in ganz Deutschland bekannt. Da Lene Voigt unter anderem auch Werke von Schiller und Goethe ins Sächsische übersetze, und dabei ihren eigenen Humor mit hinein webte, wurde ihr eine Verschandelung der deutschen Sprache im nationalsozialistischen Deutschland vorgeworfen. Sächsisch galt umhin in dieser Zeit als keine erstrebenswerte Sprache. Zudem galt Lene Voigt nach Veröffentlichungen in politisch linken Zeitschriften als ebensolche, was letztendlich zur Folge hatte, dass die Werke von Lene Voigt nicht mehr publiziert wurden.

Nach Ende des zweiten Weltkriegs waren ihre Werke vor allem in Ostdeutschland zunächst in eine provozierte Vergessenheit geraten. In den 1950er und 1960er Jahren wurde ihre Mundart unter den Titeln Säk’schen Glassigger und Säk’schen Balladen in Westdeutschland beim Bergmann-Verlag veröffentlicht, später in den 1970 noch einmal im Rowohlt-Verlag. In ihrer Heimatstadt erging es den Werken von Lene Voigt nicht gut, denn Walter Ulbricht warf dem sächsischen Dialekt stets eine parodistische Darstellung des Staatsoberhauptes vor. Sächsische Mundart war demzufolge eine Kritik am Staat, als nicht wünschenswert.

Erst nach ihrem Ableben, leider konnte sie das Wiedererwachen ihrer Gedichte nicht mehr miterleben, in den 1970er Jahren, brachten es Leipziger Kabarettisten durch eine Radiosendung zur Messe die Dichtungen von Lene Voigt wieder unter das Volk. Später, ab den 1980er Jahren gab es auch wieder Bühnenprogramme auf sächsisch, meist beeinflusst durch Lene Voigt. Bis heute erfreut sich das Sächsische auf den Bühnen als humoristische Unterhaltung höchster Beliebtheit und wird in regelmäßigen Abständen mit immer wieder neuen Ideen umgesetzt. Bei einer Reise in der Messestadt sollte auf jeden Fall auch ein Besuch des Kabaretts auf dem Tagesplan stehen.

Beispiel gefällig?

Und natürlich möchte ich euch noch eine kleine Kostprobe der Mundartdichtung von Lene Voigt mit auf den Weg geben. Versucht doch mal die ersten drei Strophen das folgende Gedichts aus „Säk’sche Balladen“ von Lene Voigt im sächsischen Dialekt zu lesen, als Unterstützung habe ich euch oben das Gedicht als Lied vorgetragen angehangen.

„De Säk´sche Lorelei“

Ich weeß nich, mir isses so gomisch
Un ärchendwas macht mich verschtimmt.
Sis meechlich, das is anadomisch,
Wie das ähmd beim Mänschen oft gimmt.

De Älwe, die bläddschert so friedlich,
Ä Fischgahn gommt aus dr Tschechei.
Drin sitzt ´ne Familche gemiedlich,
Nu sinse schon an dr Bastei.

Un ohm uffn Bärche, nu gugge,
Da gämmt sich ä Freilein ihrn Zobb.
Se schtriecheltn glatt hibbsch mit Schbugge,
Dann schtäcktsn als Gauz uffn Gobb.

Das sich Lene Voigt noch heute in bestimmten Kreisen einer gewissen Beliebtheit erfreut sieht man nicht nur an den vielen humoristischen Vorstellungen in Leipziger Kabaretten, sondern auch am folgenden Video eines Poetry Slams in Bonn:

 

 

Ich hoffe, ich konnte euch die Leipzigerin Lene Voigt näher bringen und vielleicht die Lust daran wecken, sich ihre Texte in Videoformat oder im Kabarett mal anzuhören. Es lohnt sich und sie definitiv Teil des Literarischen Leipzigs.

Eure Sandra

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